Syrer

Verzeichnis

  1. Dem Tod entkommen, das Leben gewinnen von Yaser Aboshaer
  2. 11 Jahre, 3 Etappen, ein Weg nach vorne von Dania Aldalati
  3. Neue Heimat von Ayham Dahdouni
  4. Veränderungen der Lebensumstände von Abdulrhaman Alobeid

Dem Tod entkommen, das Leben gewinnen

Es klingt wie aus einem Film – und ist doch bittere Realität: Hunderttausende Menschen sahen sich gezwungen, vor dem Tod zu fliehen, der ihnen infolge von Kriegen drohte. Von verschiedenen Länden, so auch von Syrien machten sie sich über gefährliche See- und Landrouten auf den Weg, um sicheres Land zu erreichen – und damit die größte „Belohnung“ zu gewinnen: das Leben in einem europäischen Land. Besonders Deutschland wurde dabei zum Ziel vieler Schutzsuchender, nachdem es unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 seine Türen weit für Geflüchtete geöffnet hatte.

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Nach Angaben von Organisationen der Vereinten Nationen sind zwischen 2014 und 2024 mehr als 34.000 Menschen auf den Seewegen zur Europäischen Union ertrunken. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen, da viele Unglücke nie dokumentiert werden und zahlreiche Leichen im Meer unentdeckt bleiben.

Den Geflüchteten und Migranten waren diese Gefahren ebenso bewusst wie das Risiko, dass ihr Asylantrag abgelehnt werden könnte. Doch die Bedrohung in ihren Herkunftsländern war oft ungleich größer. In Syrien etwa führte der Bürgerkrieg, der nach Protesten im März 2011 ausbrach und über ein Jahrzehnt andauerte, zu verheerenden Folgen: Mehr als 600.000 Menschen kamen ums Leben, darunter über 25.000 Kinder und 15.000 Frauen. Millionen wurden verletzt, und mehr als eine Million Menschen wurden inhaftiert – viele von ihnen starben unter Folter. Diese Ereignisse lösten die größte Flüchtlingskrise der modernen Geschichte aus. Heute leben über sechs Millionen syrische Geflüchtete in den Nachbarländern und rund eine Million in Europa – die meisten von ihnen in Deutschland.

Laut Daten des deutschen Bundesinnenministeriums vom August 2025 leben in Deutschland rund 975.000 Menschen syrischer Herkunft, darunter auch jene, die bereits vor dem Krieg als Migranten ins Land kamen. Damit stellen sie nach Türken (1,5 Millionen) und Ukrainern (1,3 Millionen) die drittgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe.

Im Zusammenhang mit syrischen Geflüchteten darf auch das Schicksal hunderttausender Palästinenser nicht außer Acht gelassen werden, die zuvor in Syrien als staatenlose Flüchtlinge gelebt hatten und keine syrische Staatsangehörigkeit besaßen. Auch sie wurden vom Krieg schwer getroffen – oft sogar stärker. Anhaltende Bombardierungen und jahrelange Belagerungen führten zum Tod Zehntausender und zur nahezu vollständigen Zerstörung von Wohngebieten, in denen einst über eine Million Menschen lebten. Für jene, die Deutschland oder andere europäische Länder erreichen konnten, wurde Integration und der Erwerb der Staatsbürgerschaft zu einer dringenden Notwendigkeit. Denn selbst wenn der Krieg endet, haben sie kein Heimatland, in das sie zurückkehren können – sie gelten, wie es in offiziellen deutschen und europäischen Registern heißt, als staatenlos.

Für diejenigen, die dem Tod entkommen konnten und sicheres Land erreichten, begann eine neue Reise: die Integration. Sie mussten die Sprache lernen und Arbeit finden. Trotz aller Herausforderungen wissen Geflüchtete oft besser als andere den Wert ihres neuen Lebens zu schätzen. Deshalb standen sie vor der Aufgabe, den Schmerz über verlorene Angehörige und zerstörtes Eigentum hinter sich zu lassen und neu anzufangen –  zumindest für ihre Kinder, von denen heute viele fließend Deutsch sprechen, oft besser als ihre Muttersprache.

Auch wenn ein Teil der Gesellschaft sie weiterhin nicht als Bestandteil Deutschlands anerkennt, gab es zugleich zahlreiche Deutsche, die Unterstützung und Hilfe leisteten. So gelang es vielen Syrern sowie anderen Geflüchteten und Migranten, sich in Schulen und auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Heute arbeiten zahlreiche von ihnen in verantwortungsvollen Positionen – in der Medizin, der Technik, im Bildungswesen sowie in Industrie, Handwerk und Fabriken.

Quellen:

  • SOS Mediterranee
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
  • DW.com
  • Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA)
  • Statistisches Bundesamt Regionale Berichterstattung
  • Al Jazeera Net Nachrichtenwebsite
  • Foto: DW.com

Autor: Yaser Aboshaeer


11 Jahre, 3 Etappen, ein Weg nach vorne

Mein Name ist Dania Aldalati, ich komme aus Syrien und bin 26 Jahre alt. Im Jahr 2015 kam ich im Alter von 15 Jahren gemeinsam mit meiner Mutter nach Deutschland. Damit begann für mich ein völlig neuer Lebensabschnitt, geprägt von Unsicherheit, Herausforderungen, aber auch von vielen Chancen und Begegnungen.

Ich stand vor einem fremden Land, einer neuen Sprache und einem System, das mir zunächst unbekannt war. Vieles, was zuvor selbstverständlich war, musste ich mir von Grund auf neu erarbeiten. Ich war es gewohnt, stark durch meine Familie getragen zu werden, doch plötzlich musste ich selbst Verantwortung übernehmen und meinen eigenen Weg finden.

Der Einstieg in die Schule ab der 9. Klasse war eine große Herausforderung. Die Sprache war neu, die Umgebung ungewohnt und die Anforderungen hoch. Dennoch habe ich mich Schritt für Schritt hineingearbeitet, die deutsche Sprache erlernt und meinen schulischen Weg konsequent verfolgt. Schließlich konnte ich mein Abitur erfolgreich abschließen.

Darauf folgte meine Ausbildung in der Apotheke. Diese Zeit hat mich sowohl fachlich als auch persönlich geprägt. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen, strukturiert zu arbeiten und mit Menschen umzugehen. Gleichzeitig habe ich begonnen, meinen Platz in der Gesellschaft bewusster wahrzunehmen und mich weiterzuentwickeln.

Eine besonders wichtige Rolle auf meinem Weg spielte der Treff Alt Menden. Dort habe ich über viele Jahre hinweg Unterstützung, Orientierung und menschliche Begleitung erfahren. In einer entscheidenden Phase meines Lebens wurde dieser Ort für mich zu einem festen Halt. Alt Menden ist für mich im Laufe der Zeit zu einem zweiten Zuhause geworden  und die Menschen dort sind für mich wie eine zweite Familie.

Ich durfte dort nicht nur Unterstützung annehmen, sondern selbst Teil dieser Gemeinschaft werden. Heute engagiere ich mich dort, um meine Erfahrungen weiterzugeben und Menschen zu begleiten, die ähnliche Wege gehen wie ich damals.

Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass Zugehörigkeit nicht allein von Herkunft, Religion oder Nationalität abhängt. Zugehörigkeit entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, sich respektieren und sich gegenseitig unterstützen. Heimat ist nicht nur ein geografischer Ort, sondern entsteht durch Beziehungen, Vertrauen und gemeinsame Erfahrungen.

Ich bin syrischer Herkunft, habe aber einen deutschen Pass und lebe, studiere und arbeite in Deutschland. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern eine Verbindung. Ich fühle mich diesem Land und seinen Menschen verbunden und bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich hier erhalten habe.

Heute studiere ich Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Steuern und arbeite parallel in der Steuerkanzlei Quadrakom. Dort erlebe ich ein sehr unterstützendes Arbeitsumfeld. Das Team ist offen, respektvoll und hilfsbereit, und ich habe bisher nie das Gefühl gehabt, nicht dazuzugehören. Im Gegenteil: Ich wurde aufgenommen, gefördert und als Teil des Teams behandelt. Auch die Offenheit und Menschlichkeit der Vorgesetzten haben meinen Weg dort sehr positiv geprägt.

Rückblickend sehe ich keinen geradlinigen Lebenslauf, sondern einen Weg voller Entwicklung, Herausforderungen und Begegnungen. Jede Etappe hat mich stärker gemacht und mir neue Perspektiven eröffnet.

Mein Fazit aus diesen Jahren ist klar: Der Weg mag nicht immer einfach sein, aber er lohnt sich. Mit Ausdauer, Offenheit und dem Mut, Chancen zu ergreifen, kann man sich Schritt für Schritt ein eigenes Leben aufbauen, unabhängig davon, wo man beginnt.


Autor: Dania Aldalati


Neue Heimat, neue Perspektiven: Wie syrische Geflüchtete Teil der Stadt geworden sind                               

Wenn Menden im Jahr 2026 sein 750-jähriges Bestehen feiert, geht es um mehr als nur Geschichte. Es geht um die Menschen, die diese Stadt geprägt haben – und um diejenigen, die heute neue Kapitel hinzufügen. Unter ihnen sind viele syrische Geflüchtete, die in den letzten Jahren nicht nur Schutz gefunden, sondern auch neue Perspektiven entwickelt haben.

Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs haben hunderttausende Menschen in Deutschland Zuflucht gesucht. Auch in Menden begann für viele ein neues Leben – oft mit Unsicherheit, Sprachbarrieren und der Herausforderung, sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden.

Doch gerade in kleineren Städten zeigt sich, wie Integration im Alltag gelingt: leise, Schritt für Schritt und getragen von gegenseitiger Unterstützung.

In Mendener Schulen sitzen heute junge Menschen, die noch vor wenigen Jahren kein Deutsch sprachen. Viele von ihnen haben enorme Fortschritte gemacht, holen Schulabschlüsse nach und planen ihre Zukunft in Deutschland.

Auch im Handwerk und in der Ausbildung finden viele ihren Platz. Ein ehemaliger Mechaniker aus Syrien arbeitet heute in einer regionalen Werkstatt, nachdem er eine Ausbildung abgeschlossen hat. Solche Beispiele sind typisch für die Entwicklung vieler Geflüchteter.

Besonders sichtbar wird Integration im Gesundheitswesen. In Menden und Umgebung arbeiten heute mehrere syrische Ärzte – sowohl in Kliniken als auch in eigenen oder gemeinschaftlichen Praxen.

Viele von ihnen haben bereits in Syrien Medizin studiert und mussten in Deutschland einen langen Weg gehen: Sprachprüfungen, Anerkennungsverfahren und zusätzliche Qualifikationen. Dieser Prozess dauert oft Jahre und erfordert große Ausdauer.

Heute jedoch sind sie ein unverzichtbarer Teil der medizinischen Versorgung. In Praxen und im Krankenhaus begegnen sie täglich Patientinnen und Patienten – viele Menschen in Menden wissen ihre Arbeit zu schätzen. Es ist keine Seltenheit, dass Patientinnen und Patienten gezielt zu diesen Ärzten gehen, sei es wegen ihrer fachlichen Kompetenz oder auch wegen ihrer einfühlsamen Art.

Gerade in Zeiten von Ärztemangel leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft und zeigen, wie Integration für alle Seiten ein Gewinn sein kann.

Integration bedeutet nicht nur Arbeit und Sprache, sondern auch Begegnung. In Vereinen, Nachbarschaften und Schulen entstehen neue Verbindungen. Kinder wachsen gemeinsam auf, während Erwachsene voneinander lernen.

Syrische Familien bringen ihre Kultur, ihre Erfahrungen und ihre Perspektiven mit – und bereichern so das gesellschaftliche Leben in Menden. Gleichzeitig eröffnet Deutschland ihnen Chancen, die in ihrer Heimat oft nicht mehr möglich waren.

Das Jubiläum ist ein Moment des Rückblicks, aber auch des Ausblicks. Die Geschichte Mendens endet nicht mit der Vergangenheit – sie wird jeden Tag neu geschrieben.

Die Geschichten syrischer Geflüchteter sind heute Teil dieser Entwicklung. Sie erzählen von Mut, von Neuanfängen und von dem Wunsch, dazuzugehören. Und sie zeigen, dass eine Stadt nicht nur durch ihre Geschichte lebt, sondern durch die Menschen, die sie gestalten.

Quellen:

  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
  • – Statistisches Bundesamt
  • – Regionale Berichterstattung (Westfalenpost, IKZ Menden)
  • – Stadt Menden (750 Jahre Jubiläum)

Autor: Ayham Dahdouni


Veränderungen der Lebensumstände und erfolgreiche Integration in Deutschland

Mein Name ist Abdulrahman Alobeid, ich bin 26 Jahre alt. Ich komme aus Syrien, und ich möchte Ihnen heute meine persönliche Geschichte erzählen – eine Geschichte von Herausforderungen, Veränderungen und Hoffnung. Ich bin in Syrien aufgewachsen und habe dort meine Kindheit und einen Teil meiner Jugend verbracht. Mein Leben war am Anfang ruhig und stabil, doch mit dem Ausbruch des Krieges änderte sich alles grundlegend. Die Sicherheitslage verschlechterte sich dramatisch, und der Alltag wurde von Angst, Unsicherheit und großen Herausforderungen geprägt. Trotz dieser schwierigen Umstände habe ich mich entschieden, meinen Weg weiterzugehen. Ich habe gleichzeitig gearbeitet und gelernt, um meine Zukunft aktiv zu gestalten und meine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Aufgrund der anhaltend schwierigen Situation war ich gezwungen, mein Heimatland zu verlassen. Meine Reise führte mich zunächst nach Katar, wo ich wertvolle berufliche Erfahrungen sammeln konnte. Anschließend ging ich in die Türkei, bevor ich schließlich nach Deutschland kam – ein Land, das mir neue Perspektiven eröffnet hat. Meine erste Station in Deutschland war die Stadt Menden im Sauerland. In Menden habe ich mich von Anfang an willkommen und respektiert gefühlt. Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen.

Die Einwohnerinnen und Einwohner von Menden begegnen mir mit Respekt und Interesse, was mir den Integrationsprozess erheblich erleichtert hat. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit ist für mich von großer Bedeutung. Auch die Unterstützung durch den deutschen Staat verdient große Anerkennung. Deutschland bietet Geflüchteten nicht nur Schutz und Sicherheit, sondern auch echte Chancen für eine erfolgreiche Integration.

Durch Integrationskurse, Sprachförderung und verschiedene Bildungsangebote wird uns ermöglicht, ein selbstständiges Leben aufzubauen und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Ich besuche derzeit einen Integrationskurs und arbeite intensiv daran, meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Mein Ziel ist es, mich vollständig zu integrieren und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Deutschland hat mir Sicherheit, Stabilität und Hoffnung gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar. Besonders die Stadt Menden hat für mich eine wichtige Rolle gespielt. Abschließend möchte ich betonen, dass Integration Engagement von beiden Seiten erfordert. Ich bin fest entschlossen, meinen Teil dazu beizutragen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


Autor: Abdulrhaman Alobeid


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