Verzeichnis:
- Flüchtlinge aus Afrika nach Deutschland
- Erfahrungsbericht von N.I. aus Angola
- Bericht über Frau M. aus Somalia

Flüchtlinge aus Afrika nach Deutschland (2000–2025)
Ursachen, Herkunft, Fluchtwege und Entwicklungen
In den letzten 25 Jahren hat die Migration nach Europa deutlich zugenommen. Deutschland ist dabei eines der wichtigsten Zielländer für Schutzsuchende. Auch in Menden haben wir eine zunehmende Anzahl an Migranten aus Afrika, wobei die Gründe für die Flucht vielfältig sind und häufig miteinander zusammenhängen.
Herkunft und Größenordnung
Afrikanische Flüchtlinge stellen nur einen Teil der gesamten Asylmigration nach Deutschland dar, sind jedoch eine konstante Gruppe. Im Jahr 2024 lebten rund 277.000 Schutzsuchende aus afrikanischen Staaten in Deutschland.
Die wichtigsten Herkunftsregionen sind:
- Ostafrika: Eritrea, Somalia, Äthiopien
- Westafrika: Nigeria, Ghana, Senegal, Gambia
- Zentralafrika: Demokratische Republik Kongo, Kamerun
- Nordafrika: Sudan, Ägypten
Viele dieser Länder sind durch politische Instabilität, wirtschaftliche Probleme oder Umweltkrisen geprägt.
Ursachen der Flucht
Die Gründe für die Migration sind komplex und lassen sich meist nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren.
1. Politische Konflikte und Verfolgung
Bürgerkriege, instabile Regierungen und autoritäre Systeme zwingen viele Menschen zur Flucht. Besonders betroffen sind Länder wie Somalia oder Eritrea.
2. Wirtschaftliche Perspektivlosigkeit
Hohe Arbeitslosigkeit, Armut und fehlende Zukunftsperspektiven führen dazu, dass viele Menschen ihr Heimatland verlassen.
3. Umwelt- und Klimafaktoren
Dürreperioden, Desertifikation und Ernteausfälle verschärfen die Lebensbedingungen insbesondere in der Sahelzone.
4. Demografische Entwicklung
Afrika hat eine sehr junge Bevölkerung. Viele junge Menschen finden keine wirtschaftlichen Perspektiven.
Oft handelt es sich um sogenannte Mischmigration, bei der mehrere Gründe gleichzeitig eine Rolle spielen.
Fluchtwege nach Europa und Deutschland
Die Migration erfolgt selten direkt, sondern über mehrere Stationen und unter gefährlichen Bedingungen.
Zentrale Mittelmeerroute
Dies ist die wichtigste Route:
- West- und Ostafrika → Sahara → Libyen oder Tunesien
- Überfahrt nach Italien (z. B. Lampedusa)
- Weiterreise nach Deutschland
Westliche Route (Atlantik)
- Westafrika → Atlantik
- Überfahrt zu den Kanarischen Inseln (Spanien)
- Weiter über Europa
Östliche Route
- Horn von Afrika → Sudan → Libyen oder Ägypten
- Weiter nach Europa
Gefahren auf der Flucht
Die Flucht ist mit erheblichen Risiken verbunden:
- extreme Hitze und Wassermangel in der Sahara
- Gewalt durch Schleuser und Milizen
- Menschenhandel und Ausbeutung
- lebensgefährliche Überfahrten über das Mittelmeer
Zehntausende Menschen sind in den letzten Jahren auf diesen Routen ums Leben gekommen.
Bedeutung für Deutschland
Die Migration aus Afrika ist Teil globaler Wanderungsbewegungen. Für Deutschland ergeben sich daraus mehrere Herausforderungen und Chancen:
- Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft
- Bedarf an Fachkräften
- gesellschaftliche und politische Debatten
Fazit
Die Migration von Flüchtlingen aus Afrika nach Deutschland ist ein vielschichtiges Phänomen. Politische Konflikte, wirtschaftliche Not und Umweltveränderungen treiben Menschen zur Flucht. Die Wege nach Europa sind gefährlich und oft lebensbedrohlich. Auch in Zukunft wird Migration eine wichtige Rolle spielen und erfordert langfristige politische und gesellschaftliche Lösungen.
Quelle
- Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (https://www.bamf.de/?utm_source=chatgpt.com)
- Asylzahlen (https://www.bamf.de/DE/Themen/Statistik/Asylzahlen/asylzahlen-node.html?utm_source=chatgpt.com)
- Migrationsbericht: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
- UNHCR (https://www.unhcr.org/?utm_source=chatgpt.com)
- Auswärtiges Amt – Informationen über Herkunftsländer (https://www.auswaertiges-amt.de/?utm_source=chatgpt.com)
- Foto: KI-generiert
Autor: Heinrich Grote
Bericht von N.I. aus Angola
Migration, Herkunft und ein neuer Anfang – Meine Geschichte
Afrika ist ein riesiger Kontinent – für viele bekannt als die Wiege der Menschheit. Ein Kontinent voller natürlicher Ressourcen, kultureller Vielfalt und Geschichte. Gleichzeitig ist Afrika aber auch geprägt von Kolonialisierung, Ausbeutung und jahrhundertelangen politischen sowie wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Aus dieser historischen Verbindung zwischen Afrika und Europa entstand über Generationen hinweg Migration – in beide Richtungen.
In den letzten Jahren hat die Migration aus afrikanischen Ländern deutlich zugenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig und unterscheiden sich von Region zu Region. In Ländern wie Nigeria, dem Kongo, Ghana oder Angola verlassen zahlreiche Menschen ihre Heimat aufgrund von Armut, Korruption, hoher Kriminalität, Hunger, mangelnder Gesundheitsversorgung, fehlendem Zugang zu Bildung und schlechter Regierungsführung.
Viele dieser Menschen kommen nach Europa – und Deutschland gehört zu den Ländern, die Hoffnung geben: Hoffnung auf Sicherheit, Stabilität, Würde und eine bessere Zukunft.
Meine persönliche Geschichte beginnt in Angola.
Ein Land, das seit vielen Jahren unter Korruption leidet. Ein Land, in dem Armut und Hunger für viele Menschen Alltag sind. Krankenhäuser ohne Medikamente, Bildung nur für wenige und eine steigende Kriminalität, verursacht durch Perspektivlosigkeit und soziale Ungleichheit.
Aufgrund dieser Situation wurde ich Aktivist für Menschenrechte. Ich habe friedlich demonstriert und meine Stimme erhoben, weil ich an Veränderung geglaubt habe. Doch statt gehört zu werden, wurde ich verfolgt. Ich wurde beschuldigt, die öffentliche Ordnung zu stören, und von Gruppen unter Druck gesetzt, deren Ziel es war, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Um meine Familie zu schützen, musste ich eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens treffen: Ich musste mein Land verlassen.
Ohne Vorbereitung. Ohne Sicherheit. Nur mit einem Koffer.
Meine schwangere Frau, meine zwei Kinder und ich kamen im Jahr 2018 nach Deutschland.
Die ersten Jahre waren extrem schwer. Wir mussten bei Null anfangen. Unser Asylantrag wurde abgelehnt, und wir erhielten eine Abschiebungsandrohung – mitten in der Corona-Pandemie, in einer Zeit voller Angst, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit.
Doch die Abschiebung fand nicht statt.
War es Glück?
Oder war es Gott?
Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Wir hatten Hilfe.
Als wir 2019 in Menden ankamen, begegnete ich einem Menschen, den ich niemals vergessen werde: Herrn Herbert Bölling. Ich traf ihn im Treff Alt Menden. Sein Lächeln, seine Offenheit und seine Menschlichkeit haben mir und meiner Familie vom ersten Moment an Kraft gegeben. Mit ihm machte ich meine ersten Schritte in der deutschen Sprache.
Ich besuchte die VHS und absolvierte erfolgreich meinen B1-Deutschkurs. Danach begann ich bei der Bäckerei Büsch zu arbeiten und machte eine Ausbildung zum Fachverkäufer.
Es war nicht leicht.
Fünfmal im Monat legte ich die Strecke von Menden nach Neuss zurück – insgesamt 196 Kilometer pro Fahrt. Aber ich habe niemals aufgegeben.
Ich hatte großartige Kollegen. Doch etwas hat mich besonders geprägt: der persönliche Kontakt zum Inhaber, Herrn Büsch. Trotz tausender Mitarbeiter kannte er meinen Namen. Das gab mir Würde, Motivation und das Gefühl, gesehen und respektiert zu werden.
In Menden wurde ich durch meine Art bekannt – freundlich, respektvoll und offen gegenüber allen Menschen. Im Jahr 2023 wurde ich von vielen Menschen als einer der freundlichsten Verkäufer der Stadt wahrgenommen.
Einige Zeit später erhielt ich eine neue Chance. Frau Anabell Eckstein, eine Unternehmerin mit Vision, erkannte mein Potenzial und gab mir die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln.
Heute arbeite ich als Barchef in ihrem Restaurant.
Meine Geschichte ist nur eine von vielen. Aber sie zeigt, dass Migration nicht nur Flucht bedeutet.
Migration bedeutet auch Mut.
Den Mut, neu anzufangen.
Den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Den Mut, sich zu integrieren und ein Teil der Gesellschaft zu werden.
Heute stehe ich hier – in Menden, meiner zweiten Heimat.
Menden bedeutet für mich und meine Familie alles.
Und dafür bin ich unendlich dankbar.
Vielen Dank.
Autor: N. I.
Bericht über Frau M. aus Somalia
Mein Name ist Gaby Wozniewski. Ich schreibe über das Leben einer in Somalia geborenen Frau und ihrer Familie. Sie ist 2021 mit zwei von vier Kindern aus ihrer Heimat geflüchtet, wo sie schreckliche Erlebnisse hatte und mit ihrer Familie in Gefahr geraten war, worüber sie aber in der Öffentlichkeit nicht reden möchte. Ich kenne die Familie seit 2022 und begleite sie hier in Menden.
Sie möchte nicht namentlich erwähnt werden und auch ihr Geburtsdatum nicht öffentlich bekanntgeben.
Frau M. wurde 1985 im Bezirk Wajid, in Südwestsomalia, geboren. Die Lebensgrundlagen dort sind Viehzucht und der Anbau von Sorghum, einem trockenheitsresistenten Süßgras, welches als nahrhaftes Grundnahrungsmittel dient.
Sie wurde in eine Großfamilie hineingeboren. Die Familie bestand aus ihren Eltern, welche auch in Somalia geboren wurden und ihren drei Brüdern, vier Schwestern sowie zwei Geschwistern aus einer früheren Ehe ihres Vaters.
Frau M. sagt, dass sie eine schöne Kindheit hatte. Sie hat leider nie eine Schule besucht, weil das Dorf, in dem sie lebte, zu weit von der Stadt entfernt war. Ihre älteren Geschwister zogen in die Stadt und besuchten dort eine Schule. Der Vater verdiente den Lebensunterhalt als Immobilienmakler. Frau M. hatte Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins, die sie aber nie kennengelernt hat.
Im Alter von 15 Jahren lernte sie einen Mann kennen und verliebte sich in ihn. Die Heirat erfolgte fünf Jahre später, im Jahr 2005. Ihr erster Sohn wurde 2006 geboren. 2007 gebar sie ihre erste Tochter. Im selben Jahr verlor ihr Ehemann infolge des seit vielen Jahren andauernden Krieges sein Leben.
2008 lernte sie ihren zweiten Mann kennen. Sie heirateten im selben Jahr und bekamen 2009 ihren gemeinsamen Sohn, die jüngste Tochter wurde 2010 geboren. Der Krieg breitete sich immer weiter aus, infolgedessen verschwand ihr Mann. Frau M. weiß bis heute nicht, was mit ihm geschehen ist.
Für Frau M. wurde es immer schwieriger, ihre Kinder zu versorgen. Die beiden älteren Kinder wurden nach Kenia, zu ihrer Großmutter väterlicherseits, gebracht. Sie lebten dort bis Juni 2024.
Im Jahr 2021 floh Frau M. mit ihrem Sohn und der Tochter in die Türkei. Ein Freund des Großvaters der Kinder besorgte Plätze in einem Flugzeug, welches in die Türkei flog. Sie weiß nicht, wie es organisiert wurde und hat auch nicht danach gefragt. Die Familie dieses Freundes saß ebenfalls im Flugzeug. Frau M. wohnte mit ihren Kindern und der anderen Familie drei Monate lang bei den Angehörigen der befreundeten Familie. Sie wurden von ihnen mit Lebensmitteln und Geld versorgt. Es stand damals schon fest, dass sie dort nicht bleiben konnten.
Also wurden sie anschließend mit einem Auto an die türkische Grenze gefahren. Zu Fuß, die Tochter auf den Schultern tragend, war sie mit ihrer Familie zwei Tage und zwei Nächte unterwegs nach Griechenland.
Sie verbrachten nur eine kurze Zeit in Griechenland. Frau M. kennt den Namen des Ortes nicht. In ein Camp ist sie mit ihren Kindern nicht gegangen. Sie lebte mit ihnen buchstäblich auf der Straße. Von einem Schleuser angesprochen, bezahlte sie für eine Schiffsüberfahrt nach Malta. Auf dem Schiff lernte sie weitere Flüchtlinge kennen, mit denen zusammen sie per Boot zu einem ihr bis heute unbekannten Ort gelangte. Von dort aus ging es mit einem Zug in die Niederlande. Frau M. blieb mit ihren Kindern zwei Tage in den Niederlanden. Sie wurden dann für 200 Euro von einem Schleuser mit dem Auto nach Bochum gefahren. Erst hier konnte Frau M. einen Asylantrag stellen. Von Bochum aus wurde die Familie in ein Camp nach Unna gebracht. Nach einiger Zeit wurde die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) Wickede-Wimbern ihr neuer Aufenthaltsort.
Wie kamen sie nach Menden und wo wurden sie dort untergebracht, bevor sie eine Wohnung bekamen?
Ihre Kinder bekamen einen Schulplatz in der Integrationsklasse des Städtischen Gymnasiums an der Hönne in Menden (HGM). Frau M. besuchte einen Integrations- und Sprachkurs der VHS. Unterdessen besucht der Sohn das Hönne-Berufskolleg, die Tochter ist Schülerin der Gesamtschule Menden.
Während des Förderunterrichts am HGM lernte ich die Kinder kennen. Sie baten mich um Hilfe bei der Wohnungssuche. Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe, insbesondere in der Begegnungsstätte „Treff Alt Menden“, habe ich einen Immobilienmakler kennengelernt, der mir schon öfter bei der Suche nach einer Wohnung für geflüchtete Menschen behilflich war.
Zu dieser Zeit gab es bei den ansässigen Wohnungsbaugesellschaften keine freien Wohnungen. Es wurde schließlich eine Wohnung bei einem privaten Vermieter für die Familie gefunden.
2024 durften die beiden älteren Kinder in Deutschland einreisen. Sie besuchen das Hönne-Berufskolleg und die VHS.
Seit 2026 lebt die Familie in einer größeren Wohnung in demselben Haus, in dem sie vorher eine Dachgeschosswohnung bewohnten. Die Familie möchte in Menden bleiben, weil die Stadt ruhig ist, die Kinder Mendener Schulen besuchen und weil sie sich hier sehr wohlfühlen.
Im Gespräch sagte Frau M.: „Ich fühle mich wie hier geboren. Ich möchte nicht woanders schlafen. Menden ist mein Zuhause.“
Frau M.‘s Ziel ist es, die deutsche Sprache gut zu sprechen und hier zu arbeiten, um für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Die vier Kinder, unterdessen sind es Jugendliche und junge Erwachsene, haben das Ziel, einen guten Schulabschluss zu erreichen, anschließend eine Ausbildung zu absolvieren, zu arbeiten und sich in Deutschland ein eigenes Leben aufzubauen.
Autorin: Gaby Wozniewski
