Fachkräfte

Heinrichs – persönliche Überlegungen

Überlegen Sie einmal kurz, wie viele über 50-Jährige Sie in ihrem weiteren Bekanntenkreis haben, es wird wohl keine niedrige Zahl sein, ist doch lt. Statistik die Hälfte der Mendener Bevölkerung etwas über 49 Jahre alt (Medianwert).  

Wenn Sie bedenken,  dass allein in Menden nach Angaben der Agentur für Arbeit zur Zeit schon 24 Fachkräfte in der Altenpflege gesucht werden, wird etwas über unsere Zukunft deutlich, zumal die Baby-Boomer (bis Jg. 1964) nun nach und nach aus dem Arbeitsprozess ausscheiden: Pflegerische Hilfe wird im Alter noch deutlich schwieriger zu finden sein als heute schon . 

Ähnlich ist es mit der ärztlichen Betreuung, sei es durch einen Hausarzt, sei es im Krankenhaus – auch hier werden wir bei aller Dringlichkeit immer länger warten und liebgewordene Gewohnheiten aufgeben müssen.

Die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte ist insofern eine Weg der Zukunftssicherung, wenn sicher auch kein Allheilmittel. Schon heute gilt, wie von sachlich informierten Personen zu erfahren ist:  Würden alle ausländischen Mitarbeiter das Mendener St. Vinzenzkrankenhaus verlassen, müsste der 7/24 Betrieb eingestellt werden. Und dabei sind noch nicht einmal die Reinigungskräfte oder die Hilfskräfte des Hol- und Bringedienstes berücksichtigt.

Unser Krankenhaus ist ähnlich wie viele andere Krankenhäuser also schon lange bemüht, geeignete Arbeitskräfte zu finden und durch entsprechende Angebote im Sprachlichen und Fachlichen fortzubilden, um damit den Qualitätsstandard zu sichern, aber auch die Integration und die Bindung an diesen Raum zu fördern. Es sind die verschiedensten Nationen, die hier zur Zeit arbeiten und trotz großer kultureller Unterschiede zur Zusammenarbeit finden müssen: Menschen aus Indien, der Ukraine, dem Iran, den arabischen Ländern, der Türkei und aus Polen, diese oft schon in der 2. Generation.

Egal nun, aus welchem Grund die Einzelnen gekommen sind – sei es aus finanziellen Überlegungen, sei es um politischen Repressionen und  Katastrophen zu entgehen: das Heimatland zu verlassen, ist kaum eine leichte Entscheidung.

 Ausdrücklich erwähnt sollen auch die Pflegekräfte werden, die in einer  24 Stunden Hausbetreuung tätig sind und so vielen Älteren ermöglichen, im heimischen Umfeld zu bleiben. Ihre Zahl ist nur schwer zu ermitteln, da sie sich oft als EU – Bürger in Menden aufhalten und keine Arbeitserlaubnis brauchen. Sie wechseln sich ca. alle drei Monate in der Betreuung ab und führen so ein Spagat-Dasein zwischen Menden und ihrer Familie, z.B. in Polen. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Zahl der Pflegekräfte seit einiger Zeit abnimmt, wohl weil sich die Verhältnisse in Polen deutlich verbessert haben. An ihre Stelle treten vermehrt Arbeitskräfte aus anderen osteuropäischen Ländern, wie z.B. Rumänien, Bulgarien oder aus der Slowakei.

Bleibt also festzuhalten, dass bei zunehmender Alterung der Mendener Bevölkerung die Zuwanderung und Integration ausländischer Arbeitskräfte, besonders im Pflegebereich wie in der ärztlichen Versorgung, in unserem eigenen Interesse liegen und dies bei allen Schwierigkeiten langfristig allen nützt, wir dabei aber in Konkurrenz mit den Herkunftsländern selbst stehen sowie mit den übrigen Industriestaaten, die das Problem der Überalterung ebenfalls kennen. 

Die Darstellung stützt sich auf:

www.arbeitsagentur.de sub: Jobs für Pflege in Menden

Demografiebericht Menden (Sauerland) der BertelsmannStiftung in: Wegweiser Kommune: Demografische Entwicklung 2023

KI bei Angaben zum Pflegenotstand in Menden: Rückgang der polnischen Pflegekräfte und deren Ersatz 

Gespräch mit sachlich informierten Mitarbeiterkreisen des Mendener Krankenhauses 


Fachkräftebedarf in Deutschland und in Menden (Sauerland) – Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven

von Heinrich Grote

Der Fachkräftebedarf gehört zu den zentralen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen in Deutschland. Seit Jahren zeichnet sich eine zunehmende Lücke zwischen der Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften und dem verfügbaren Angebot ab. Diese Entwicklung betrifft nahezu alle Branchen und ist auch auf regionaler Ebene – etwa in Menden (Sauerland) – deutlich spürbar. Ursachen sind vor allem der demografische Wandel, strukturelle Veränderungen der Wirtschaft sowie steigende Qualifikationsanforderungen. Zuwanderung spielt bereits heute eine wesentliche Rolle und wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

1. Ursachen des Fachkräftemangels

Deutschland steht vor einer alternden Gesellschaft. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre scheiden zunehmend aus dem Erwerbsleben aus, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften durch technologische Entwicklungen, Digitalisierung und den Wandel hin zu einer wissensbasierten Wirtschaft.

Auch in Menden zeigt sich diese Entwicklung: Als mittelständisch geprägter Wirtschaftsstandort mit industriellen und handwerklichen Betrieben ist die Stadt besonders auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Viele Unternehmen berichten bereits heute von Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.

2. Branchen mit bereits hoher Zuwanderung

Zuwanderung trägt schon jetzt wesentlich dazu bei, Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu mildern. Besonders deutlich ist dies in folgenden Bereichen:

  • Gesundheits- und Pflegewesen: Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal stammen zunehmend aus dem Ausland. Ohne diese Zuwanderung wäre die Versorgung in vielen Regionen nicht mehr aufrechtzuerhalten.
  • Baugewerbe: In Bau- und Ausbaugewerken arbeiten viele Beschäftigte mit Migrationshintergrund, insbesondere aus EU-Ländern.
  • Logistik und Transport: Berufskraftfahrer und Lagerpersonal kommen häufig aus dem europäischen Ausland oder Drittstaaten.
  • Gastronomie und Hotellerie: Diese Branche ist traditionell stark von internationaler Beschäftigung geprägt.
  • Industrieproduktion: Auch in der industriellen Fertigung, etwa im Maschinenbau oder in der Metallverarbeitung – wie sie für Regionen wie Menden typisch ist – sind internationale Fachkräfte zunehmend präsent.

3. Zukünftiger Bedarf: alle Branchen betroffen

Der Fachkräftebedarf wird sich in Zukunft weiter ausweiten und nahezu alle Wirtschaftsbereiche erfassen:

  • Technische Berufe und IT: Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz führen zu einem steigenden Bedarf an Ingenieuren, IT-Spezialisten und Technikern.
  • Handwerk: Viele Betriebe finden keine Auszubildenden mehr. Gleichzeitig wächst die Nachfrage durch energetische Sanierung, Infrastrukturprojekte und Wohnungsbau.
  • Bildung und Erziehung: Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher werden zunehmend gesucht.
  • Dienstleistungssektor: Auch kaufmännische Berufe, Finanzdienstleistungen und öffentliche Verwaltung sind betroffen.
  • Energie- und Umweltsektor: Die Energiewende schafft neue Berufsfelder, etwa in den Bereichen erneuerbare Energien und Umwelttechnik.

Gerade für Städte wie Menden bedeutet dies, dass sowohl klassische Industrieberufe als auch neue, wissensintensive Tätigkeiten künftig schwer zu besetzen sein werden.

4. Bedeutung der Zuwanderung

Zuwanderung ist ein zentraler Bestandteil zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Deutschland hat in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen, etwa durch erleichterte Visa-Regelungen und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

Für Regionen wie Menden ist es entscheidend, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, um internationale Fachkräfte nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig zu halten. Dazu gehören:

  • gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung
  • bezahlbarer Wohnraum
  • Bildungs- und Betreuungsangebote für Familien
  • Integrations- und Sprachangebote
  • eine offene und aufnahmebereite Gesellschaft

5. Herausforderungen und Voraussetzungen für erfolgreiche Integration

Die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland allein reicht nicht aus. Entscheidend ist ihre erfolgreiche Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft. Dabei bestehen mehrere Herausforderungen:

  • Sprachbarrieren erschweren den Einstieg in qualifizierte Tätigkeiten
  • Anerkennung von Abschlüssen ist teilweise langwierig
  • Bürokratische Hürden verzögern Arbeitsaufnahmen
  • Soziale Integration ist für langfristige Bindung entscheidend

Erfolgreiche Integration gelingt vor allem dann, wenn Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Lokale Initiativen, Netzwerke und Begegnungsorte spielen dabei eine wichtige Rolle – gerade in mittelgroßen Städten wie Menden.

6. Fazit

Der Fachkräftebedarf in Deutschland ist eine strukturelle Herausforderung, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Bereits heute zeigt sich, dass Zuwanderung in vielen Branchen unverzichtbar ist. In Zukunft wird sie noch stärker alle Bereiche der Wirtschaft betreffen.

Heinrich Grote

Quelle: Rechere im Internet

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