Die Zuwanderung von Protestanten nach Menden – seit 1800
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Einwohnerinnen und Einwohner von Menden überwiegend katholisch. Menden gehörte zu Kurköln. Es gab nur zwei evangelische Familien in Menden: Rahlenbeck (Kötterheide, Holzen-Bösperde) und Hamer (Fingerhutsmühle).
Im Jahr 1816 kam das Herzogtum Westfalen zu Preußen. Nun siedelten sich auswärtige Firmen an und nutzten die Wasserkraft der Hönne zum Antrieb von Mühlen und Hammerwerken.
Die neuen Firmen benötigten auch Arbeiter. Diese kamen teilweise gemeinsam mit den Unternehmen aus Iserlohn und Hemer, z.B. Firma R.&G. Schmöle aus Iserlohn,
Firma Kissing & Möllmann aus Iserlohn sowie Firma Hermann Dietrich Schröder aus Hemer-Sundwig.
In dieser Zeit stieg besonders der Anteil evangelischer Bürger. Bereits 1858 gab es in Menden rund 900 evangelische Einwohner. 1834 war die erste evangelische Kirche in Menden geweiht worden und 30 Jahre später wurde die Heilig-Geist-Kirche eingeweiht.
1938 folgte die Einweihung der Christus-Kirche in Lendringsen.
Die Industrie entlang der Hönne wuchs stetig und damit auch die Einwohnerzahl der Stadt. Bis in die 1930er-Jahre erlebte Menden einen kontinuierlichen Aufschwung.
Im Gebiet Platte-Heide und im Rauherfeld wurden nun Siedlerhäuser für diese neuen Bürger gebaut.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kam Vieles, auch die Bautätigkeit, weitgehend zum Erliegen. Diese wurde jedoch nach Kriegsende wieder verstärkt in Gang gesetzt, weil
ab 1945 viele Menschen aus dem Osten Deutschlands nach Menden kamen. Sie mussten ihre Heimat verlassen und suchten hier einen Neuanfang. Einige von ihnen lebten zunächst in Baracken an der Fröndenberger Straße (gegenüber dem heutigen Herbrügger).
Auf der Platte-Heide waren die Siedlungen landwirtschaftlich angelegt; die Grundstücke wurden zur Selbstversorgung genutzt.
Im Rauherfeld wohnten die Arbeiter der Firmen größtenteils entlang der Hönne.
Viele neue Bürger waren evangelisch, schlossen sich der Gemeinde an und suchten eine Stätte für ihren Gottesdienst.
Im Ortsteil Lendringsen wurde 1945 eine zweite Pfarrstelle eingerichtet und ab 1959 wurde es eine selbständige evangelische Gemeinde.
Im Ortsteil Bösperde wurde am 31.Mai 1953 die Erlöserkirche eingeweiht.
Auf der Platte-Heide fand ab 1952 der evangelische Gottesdienst in der Bonifatiusschule statt und 1960 konnte das Paul-Gerhardt-Haus eingeweiht werden.
Durch die Ausdehnung der Stadt Menden erfolgte eine weitere Umstrukturierung und Änderung. Im Lahrfeld wurde 1975 das Ludwig-Steil-Haus eingeweiht.
Leider hielt der Zustrom aber nicht an. Inzwischen musste das Gemeindehaus im Lahrfeld wieder geschlossen werden.
Ingrid und Helmut Reimer, teilweise auf der Grundlage von Informationen aus den Broschüren „Heilig-Geist-Kirche Menden/Westfalen 1864-1964“ und „150 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Menden“
