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Informationstext zur Ukraine
Die Ukraine gehörte 1922 neben Russland, Belarus und Transkaukasien (Georgien, Armenien und Aserbaidschan) zu den Gründungsmitgliedern der UDSSR. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde die Ukraine international als eigener Staat anerkannt. Auch von Russland.
Die wirtschaftlichen Schwerpunkte der Ukraine sind unterschiedlich. Im Osten gibt es viel Landwirtschaft. So werden Winterweizen, Mais, Gerste, Zuckerrüben und Kartoffeln angebaut. Im Osten gibt es viel Schwerindustrie. Die Ukraine ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Eisenerz, Metalle, Erdöl und Erdgas.
Die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer sprechen zwei Sprachen: Russisch und Ukrainisch. Die offizielle Landessprache ist Ukrainisch. Sie ist Pflichtfach in allen Schulen und zunehmend auch Unterrichtssprache.
2013 steht die Ukraine an einem Scheideweg. Soll sie sich an Europa oder an Russland orientieren?
Der Streit verschärft sich, als der Protest der proeuropäischen Maidanbewegung von der russlandfreundlichen Regierung brutal niedergeschlagen wird. Das löst eine landesweite Revolution aus und der Präsident Janukowytsch muss das Land verlassen.
Im Gegenzug kommt es zur Annexion der Krimhalbinsel durch Russland. Auch im Osten sagt sich die mehrheitlich russisch sprechende Donbass-Region (Luhansk und Donezk) von der Ukraine los.
Unmittelbar vor dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 erklärt Russland diese Gebiete zu eigenständigen Staaten.
Seit Kriegsbeginn sind nun mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Der Großteil der Geflüchteten sind Frauen mit Kindern. Sie mussten auf Grundlage der EU-Massenzustromrichtlinie kein Asylverfahren durchlaufen. Ihr Status ist dadurch bis März 2027 geregelt.
Ukrainische Geflüchtete, die nach dem 1. April 2025 eingereist sind, unterliegen dem sogenannten Rechtskreiswechsel. Das bedeutet, dass sie nicht mehr Bürgergeld vom Jobcenter erhalten, sondern Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen.
Außerdem wird durch den Wechsel der Zuständigkeit der Zugang zu Integrationskursen erschwert. Studien belegen jedoch, dass der erfolgreiche Abschluss eines Integrationskurses die Chance auf eine Erwerbstätigkeit deutlich erhöht.
Der Anteil der Geflüchteten, die in Deutschland eine Arbeit gefunden haben, stieg seit 2022 stetig an. Ende 2025 gingen 50% der arbeitsfähigen Ukrainerinnen und Ukrainer einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach.
Mehr als 220.000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine werden an deutschen allgemein- und berufsbildenden Schulen unterrichtet. Mehr als die Hälfte der Lernenden nehmen zusätzlich online am Unterricht an ihrer ukrainischen Heimatschule teil.
Eine große Herausforderung besteht in der Anerkennung der unterschiedlichen Schul- und Hochschulabschlüsse. Dabei gilt es, Klippen der deutschen Bürokratie erfolgreich zu umschiffen. Eine leichtere Anerkennung und wirksamere Förderung, beispielsweise durch Sprachkurse, könnte das hohe Bildungspotenzial der Geflüchteten für den deutschen Arbeitsmarkt besser nutzbar machen und so einen guten Weg aus dem Fachkräftemangel in allen Branchen darstellen.
Literatur zum Thema
- Mediendienst Integration
- Table Briefings von Table Media
- bpb- Bundeszentrale für politische Bildung
Autorin: Barbara Litterst
Interview mit Vadym aus der Ukraine
Magst du dich bitte vorstellen?
Mein Name ist Vadym. Ich bin 20 Jahre alt. Ich lebe seit Februar 2024 in Menden. Nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine habe ich eine Zeit in Polen gelebt. Um nach der Schule ein Studium aufnehmen zu können, musste ich in meine Heimat Charkiw zurückkehren.
Kannst du ein bisschen über deine Heimatstadt Charkiw erzählen?
Charkiw ist nach Kiew mit ungefähr 1 Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt im Nordosten des Landes. Charkiw ist eine typische Industriestadt. Es gibt Metallindustrie, aber auch Fabriken, die Nahrungsmittel produzieren, z.B. Wein oder Süßwaren.
Lebst du alleine hier in Menden?
Nein, meine Mutter lebt inzwischen mit mir zusammen hier in Menden. Mein Vater und mein Bruder leben in der Ukraine.
Über welche Stationen bist du 2024 nach Menden gekommen?
Von Charkiw bin ich mit dem Zug nach Lviv gefahren. Mit meiner Tante bin ich dann weiter in einem privaten Bus erst nach Menden und dann weiter nach Bochum gefahren. In Dorsten haben wir für 2 Wochen in einem Lager in Zelten gewohnt und auf unsere Dokumente gewartet. Danach haben wir in Breckerfeld eine Wohnung gefunden. Nach meinem 18. Geburtstag ist meine Tante zurück in die Ukraine gefahren und ich bin alleine in Breckerfeld geblieben.
Nach einem Jahr ist meine Mutter auch nach Deutschland gekommen und wir haben eine Wohnung in Menden gefunden.
Habt ihr Verwandte oder Freunde hier in der Stadt?
Ja, Freunde unserer Familie sind schon Ende 2022 nach Menden gekommen und haben uns geholfen. Die haben hier aber leider keine Arbeit gefunden und arbeiten inzwischen in Polen als Ärzte.
Wie hast du so gut Deutsch gelernt?
Ich habe einen Sprachkurs B1 besucht. Außerdem höre ich viel Rammstein. Ich habe auch schon einmal einen Film von meinem Lieblingsregisseur David Fincher auf Deutsch gesehen.
Was ist dein berufliches Ziel?
Ich interessiere mich sehr für das Kino. Ich möchte in einer Filmproduktionsfirma im Bereich Postproduction arbeiten.
Studierst du in diesem Bereich?
Ich mache online in der Ukraine über Google Meet ein Studium als Multimediaspezialist. Nach meinem Deutschkurs hier in Menden möchte ich parallel zu meinem Studium als Kinotechniker arbeiten. Mir ist klar, dass ich für eine Vollzeitstelle in diesem Bereich auch andere Arbeiten machen muss, z.B. Popcorn verkaufen oder Toiletten kontrollieren. Ich glaube aber, dass sich das gut in meiner Bewerbung macht, wenn ich sagen kann, dass ich schon einmal in einem Kino gearbeitet habe.
Möchtest du noch weiter Deutsch lernen?
Ich finde B2 wichtig, weil ich hier leben möchte. Das Jobcenter zahlt aber nur einen Kurs, wenn ich auch eine Ausbildung mache. Ich möchte aber etwas aus meinem Studium machen. Ich möchte gerne in Deutschland bleiben, weil meine Kinder hier entscheiden können, wo sie arbeiten und als was sie arbeiten möchten. Man verdient genug Geld, um davon zu leben.
Fühlst du dich in Menden zuhause?
Ja, ich fühle mich zuhause, wenn ich gut schlafen kann und in Sicherheit bin. Am Ende von meinem B1-Kurs haben wir eine Führung durch Menden gemacht. Ich habe so viele Dinge über die wunderbare Geschichte erfahren und viele schöne Plätze kennengelernt. Jetzt habe ich gar keine Lust mehr, von hier wegzuziehen.
Welchen Wunsch hast du für deine Zukunft?
In einem Monat möchte ich Arbeit in einem Kino finden. In einem Jahr möchte ich in einer Filmfirma als Filmschnittmeister/-helfer arbeiten. In 10 Jahren möchte ich in einem eigenen Filmprojekt Regie führen. Ich denke, dass es für meine Pläne leider hier in Menden nicht so viele Chancen gibt. Ich denke, Köln als Hauptstadt der Medien oder Düsseldorf ist besser für meine Zukunft geeignet.
Vielen Dank für das Gespräch und gutes Gelingen für deine Pläne.
Autorin: Barbara Litterst
